Andøya – ein Juwel im Nordmeer

Bergkette von Andøya im Hintergrund vor grüner Wiesen und Meer

Die Tage auf Andøya im Sommer 2022 waren wahrscheinlich mit die schönsten auf der kompletten vierwöchigen Reise.

Warum? Ich habe Wale gesehen und einen Raketenstart! Wie bitte? Ja, genau eine echte Rakete!

Doch ganz von vorne: ich setze mit der morgendlichen Fähre von Senja nach Andenes über. Was man wissen muss: ich werde schon bei dem kleinsten bisschen Wellengang seekrank. So stehe ich immer oben an der Reling und atme tief ein und schaue auf den Horizont. Der ist heute eingebettet in das helle grau des Himmels und das dunklere Grau des Meeres. Soweit das Auge blickt: nix. Und realistischerweise kommt da auch bis Spitzbergen erstmal nichts außer Meer.

In die andere Richtung kann man wunderbar die Bergspitzen der umliegenden Inseln der Vesterålen und Senja sehen. Aber leider auch wie sehr sich die Fähre von rechts nach links bewegt. Doch Wellengang? Eigentlich sieht man keine hohen Wellen auf dem Meer, dafür schaukelt es wirklich ordentlich.

Andøya: das Mekka für Walbeobachtungen auf den Vesterålen

Doch die 1,5 Stunden Überfahrt, die ich im eisigen Wind an der Reling festgeklammert verbringe, zahlen sich aus: ich sehe Wale. Unzählige Wale, eine Gruppe Orcas spielen im Wasser. Sie sind etwas weiter weg, aber gut zu sehen. Sicherlich zwanzig oder mehr davon. Denn Andøya ist einer der Orte, an dem es rund ums Jahr möglich ist, Wale zu sehen.

Wie ich später dann bei der Tour durch das Walmuseum von einem schnauzbärtigen Bayern lerne (Typ: Meister Eder), der dort als Forscher und Museumsführer arbeitet, liegt vor Andøya zum europäischen Nordmeer hinaus eine sehr tiefe Spalte. So tief, dass es rund ums Jahr dort gutes Futter für Wale gibt – und vor allem dadurch Pottwale vor der Küste der Insel schwimmen.

Einen dieser Pottwale – ein Plüschtier – nimmt Herr Eder auf die Führung mit – quasi das Pendant zum Regenschirm des Tourileiters. Er zeigt am plüschigen Exemplar des Öfteren auf diesem Rundgang, wie Wale leben und sich ernähren.

Das ist teilweise recht lustig, aber vor allem merkt man, dass er wirklich Ahnung hat und von den Tieren begeistert ist. Das Museum ist schön gestaltet und informiert über die Walarten, die hier leben. Die Führung wird in verschiedenen Sprachen angeboten, an diesem Tag allerdings nur in deutsch und englisch.

Am Ende der Museumsrunde geht es für einen Teil der Besucher noch weiter zur Walbeobachtungstour, rauf auf so einen kleinen Kahn 😉 Wie ihr euch denken könnt – mir ist das Nichts und von wackeligen Booten habe ich an dem Tag definitiv genug. So schaue ich mir noch etwas das kleine Örtchen Andenes an, dessen Wahrzeichen der Leuchtturm ist.

Polarlichter im Andøya Space Center

Ich folge nun der Landschaftsroute zum Andøya Space Center. Dass es das hier gibt, hat mich bei der Recherche überrascht.

Wie ich direkt beim Eingang des Museums lerne: Zielgruppe sind eindeutig Kinder. Aber dafür ist die Physik, die hier gelehrt wird, eben gut und anschaulich erklärt und ich bin auch nicht die einzige erwachsene Person, die sich die Stationen genauer anschaut. An den meisten davon kann man sich selbst ausprobieren. So auch ein Simulator, an dem man anschaulich den Einfluss der von der Sonne ausgesendeten geladenen Teilchen auf die Erde sehen kann und quasi per Hand Polarlichter erzeugen kann. Und genau diese Polarlichter werden hier in der Space Station erforscht. Im hauseigenen Kino gibt es dazu einen sehr informativen Film mit wahnsinnig schönen Aufnahmen.

Als ich dann auf dem Parkplatz stehe und wieder losfahren will, hält mich ein Mitarbeiter auf. Es gehe grad nicht, die Straße ist gesperrt, weil gleich ein Raketenstart anstünde. Ihr könnt euch mein verwundertes Gesicht vorstellen. Die Chance, dass er neben mir stehen bleibt, lasse ich mir nicht entgehen und fragte ihn aus. Es sei nur eine kleine Rakete und er hat bestimmt schon tausende Starts miterlebt. Wir würden dann noch warten, bis sie wieder runterkommt, denn sie würde nicht sehr weit hoch geschossen werden und im Meer landen.

Ich gehe hinter das Museum an den Strand, wo bereits einige Schaulustige mit großen Kameras stehen. Und dann geht sie ab! Nach nur einer halben Stunde ist das Spektakel vorbei und ihre Landung im Meer haben wir nicht vom Strand aus sehen können. So fahre ich weiter.

Landschaftsroute Andøya

Den Abend lasse ich am Stave Camping Platz ausklingen. Die Fotos auf der Website sahen alle spektakulär aus – im Schnee oder Hochsommer. Doch heute ist es trüb. Aber einen Strandspaziergang nach dem Abendessen mache ich trotzdem.

Das Wetter ist mild und der Ausblick ist wirklich schön. doch ich bin fast alleine am Strand. Einige wenige Leute campen direkt am Meer. Der Campingplatz selbst ist auf der anderen Straßenseite. Hier stehen einige Hütten und es ist viel Platz. Die Wascheinrichtungen sind sauber und es herrscht allgemein eine sehr gemütliche Stimmung. In meiner Hütte kann ich mich dann endlich richtig aufwärmen nach der morgendlichen eisigen Fährüberfahrt.

Am nächsten Tag fahre ich weiter Richtung Süden nach Sortland. Doch ein letzter Stopp in Andøya steht an: wie ich finde, das Highlight überhaupt!

Mein Highlight auf Andøya: der Bukkekjerka Rastplatz

Dass die Norweger interessante Rastplätze bauen, wusste ich bereits. Doch Bukkekjerka fand ich besonders schön. Der Bau aus Beton und Glas mit den geometrischen Formen wirkt sehr futuristisch in dieser kargen nordischen Landschaft.

Gleich als ich an dem Parkplatz anhalte, steht ein Reisebus neben mir. Den vielen Menschen gehe ich schnell aus dem Weg und folge einem Pfad hinter dem verspiegelten Häuschen. Der Blick zurück nach Norden auf die spitzen Bergketten im Hintergrund ist wirklich atemberaubend schön. Leider sieht man sie auf den Fotos aufgrund des trüben Wetters nicht so gut wie in der Realität.

Der Pfad geht weiter über eine Wiese zu einem Leuchtturm. Oben auf einem Felsen hinter dem futuristischen Bau. Immer wieder schaue ich aufs Meer und tatsächlich kann ich später auch noch die schwarzen Punkte als Wale ausmachen. Wieder Orcas. Pottwale sehe ich leider nicht vom Land aus.

Oben auf dem Felsen angekommen, sehe ich, dass die Felsspalten gegenüber des Parkplatzes übersäht sind mit Vögeln. Ein Paradies für Ornithologen!

Jetzt sind auch langsam die Schweizer Touristen wieder im Bus verschwunden und ich gehe zurück zum Rastplatz. Endlich kann ich Fotos machen von dem verspiegelten Bau. Die saftig grüne Wiese vor dem Meer und die spitzen Bergketten sind so von allen Seiten sichtbar. Egal von welchem Winkel oder Seite man darauf schaut, die umliegende Natur wird immer mitgespielt. Immer etwas anders, immer sehr besonders.

Wieder am Bau angekommen, beschließe ich, auch die Toiletten von innen zu betrachten. Der Clou ist: man kann mit einem Schalter die Wand zum Meer hinaus umschalten von Milchglas zu durchsichtig: einen besseren Ausblick hatte ich vom stillen Örtchen sicherlich noch nie vorher!

Praktisches

Anreise

  • Die Insel ist im Süden in Risøyhamn durch eine Brücke mit der nächsten Vesteråleninsel Hinnøya verbunden
  • Im Norden ist sie im Sommerhalbjahr durch die Fährroute zwischen Andenes und Gryllefjord mit Senja verbunden. Die Fährzeiten könnt ihr auf der offiziellen Website des Straßenbauamtes entnehmen
    Die Reise auf Senja kann dann dort auf der Landschaftsroute forgeführt werden. (Mehr dazu in meinem Artikel „Senja – die Märcheninsel in Nord-Norwegen“)

Übernachten

  • Auf Andøya gibt es nicht sehr viele Hotels oder Ferienwohnungen, daher lohnt es sich, frühzeitig zu buchen, vor allen in den Sommermonaten.
  • Wer mit dem Camper unterwegs ist, findet entlang der Landschaftsroute einige schöne Plätze, aber auch hier würde ich in der Feriensaison die Auslastung nicht unterschätzen.

Highlights

  • Ein Highlight ist die Insel selbst und am Besten auf der gleichnamigen Landschaftsroute zu erkunden. Sie verläuft an der Küstenseite zwischen Andenes und Bjørnskinn
  • Raumschiff Aurora: im Besucherzentrum des Andøya Space Center erfährt man alles über die Höhenforschungsraketen, die hier seit den 1960ern starten, und Nordlichter erforschen.
  • Walbeobachtungen: Andøya ist ein absoluter Hotspot für Wale.
    Nur wenige Kilometer vor der Insel fällt der Meeresboden besonders steil in die Tiefe. Das Wasser ist dadurch reich an Sauerstoff und Nahrung.
    Vor der Küste kann man hier Pottwale, Orcas, Buckelwale, Finnwale und viele weitere sehen. Durch die besondere Lage kann man fast das ganze Jahr hindurch auf Andøya Wale antreffen.
    Ein Anbieter ist das Walcentre von Hvalsafari AS, an das auch das Museum angeschlossen ist, das ich in Andenes besucht habe.
    Wer ab 2027 nach Andøya fährt, kann das neue und aktuell noch in Planung befindliche The Whale besichtigen – das Gebäude in Andenes wird die Form einer Walflosse haben und über die Meeresbewohner informieren. Wer also schonmal den Urlaub so weit vorplanen möchte.. 😉

Fun Facts:

  • Andøya ist die nördlichste Insel der Vesterålen
  • Die Insel ist 58km lang, aber nur 7km breit
  • Sie ist die zehntgrößte Insel des Landes
  • Auf Andøya liegt das größte zusammenhängende Moorgebiet des Landes

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